Es ist nicht einfach Menschen klarzumachen, dass man seine Werke - was auch immer für Werke das sein mögen - nicht in irgendeiner Weise kategorisieren will. Auch wenn das im Gesamtbild an Gründen liegt, die ich hier noch nicht ausführen will, ist ein Hauptgrund dieser Abscheu ein weitaus persönlicherer. Neben dem Willen nämlich, mein Werk überhaupt nicht kategorisieren zu wollen, gibt es auch den Fakt, dass ich mein Werk selbst (noch) gar nicht einordnen kann - auch wenn ich es so wollte. Die Beschreibungen wären so allgemein und nichtsaussagend, dass ich selbst fände, meinem Werk nicht gerecht zu werden. Werden Dinge denn nicht nur aus Faulheit oder einfacher Gemütlichkeit kategorisiert? Wenn ja, dann will ich mit all meiner Kraft diesem entgegenwirken.

Warum ist es so, dass viele Menschen schon allein vor dem Begriff “Gedicht” zurückschrecken? Es ist nicht das Gedicht selbst, das diese Reaktion hervorruft. Es ist ein soziales Stigma, dass Gedichte allgemein als “seltsam”, “zu schwer” oder gar “unnütz” oder “nichtsaussagend” und “prätentiös” bezeichnet werden. Sich auf einen Text einzulassen - egal welcher Text es ist oder welcher Kunstform er angehört - ist eine Fähigkeit, die anscheinend immer weniger Menschen haben. Ich glaube nicht, dass allein die Bildung daran Schuld ist. Die Bildung selbst nämlich bringt den Menschen nicht bei, nichts zu hinterfragen. Es ist die Bildung und die Gesellschaft. Und trotz all dem kann ein Mensch sich immer noch dazu entscheiden, an Kernüberzeugungen seinerseits und an denen der Gesellschaft zu zweifeln.

Ich finde es seltsam, dass Menschen fragen: “Was schreibst du?” Sollte man nicht viel eher fragen: “Über was schreibst du?”, oder “Was bewegt dich dazu, zu schreiben?” Anstatt jedoch dies herauszufinden, versuchen Menschen zuerst ein Werk zu kategorisieren. Es sollte nicht sein, dass die Kategorisierung eines Werkes wichtiger ist als das Werk selbst. Letztendlich ist der Wert eines Werkes nämlich der Inhalt, und nicht die Kategorie. Wenn ich also gefragt werde, was ich schreibe, dann sollte ich antworten: “Text.

Wenn ich schließlich gefragt werde, über was ich schreibe, dann sollte ich antworten: “Alles.”, denn es ist das ganze Leben, das einen Menschen beeinflusst und beschäftigt. Letztendlich sollte man die Texte selbst lesen, und nicht fragen. Man sollte über die Texte selbst nachdenken, und sich nicht ausmalen, in welche Kategorie sie nun passen. Man sollte einen Text auf sich zukommen lassen, ganz ohne Vorbehalt, Vorurteil oder Erwartungshaltung.

Wenn es schlussendlich dann zu der Frage kommt, was mich zum Schreiben bewegt, dann kann ich nur sehr persönliche Gründe geben. In einer Welt, die im Großen und Ganzen von technischen Berufen und der Technologie selbst beherrscht wird, ist es selbstverständlich, dass sich Menschen nicht mehr ausdrücken oder in irgendeiner Weise verwirklichen können. Technologie führt nicht zu Gedanken über das Dasein oder über philosophischere Aspekte, sie führt nur zu Gedanken einer mathematisch-kalkulierender Natur. Diese Gedanken sind alle ausnahmslos unnütz. Sie tragen nicht dazu bei, sich selbst, andere, oder die gesamte Menschheit besser zu verstehen. Sie tragen nur dazu bei, die Technologie selbst besser zu verstehen. Aus diesem Grund möchte ich schreiben. Durch das Schreiben kann ich meinem Selbst Ausdruck geben, kann ich andere Menschen zum Denken anregen oder sogar inspirieren, selbst zu schreiben. Das Schreiben und Denken sind für mich die einzig verbleibenden Wege, der konstanten Unterdrückung der Gesellschaft und des Systems zu entgehen. Es ist schlussendlich der einzige Weg für mich, frei zu sein.

Ein Leben ohne Freiheit ist es nicht wert zu leben, und deshalb werde ich alles Nötige tun, meine Freiheit zurückzuerobern und zu verteidigen. Im Kern ist alles andere erst einmal zweitrangig. Wenn ich also die Frage zu beantworten habe warum ich schreibe, dann sollte ich antworten:

Um frei zu sein.